Betreute Dissertationen

Doktorand*innen von Prof. Dr. Karim Fereidooni (Stand: 30.03.2020)

Erstbetreuungen

1) StR Muhammed Giraz
Sprachsensibler Politikunterricht in der Sekundarstufe I. Eine quantitative Studie zu Wirkungen und Gelingensbedingungen von Fachsprachenbildung
Bestehende Lernhindernisse im sprachlichen Bereich müssen im Unterricht bedarfsgerecht durch sprachsensible Lernarrangements sowie durch die Entwicklung sprachsensibler Lernmaterialien überwunden werden. Wortschatzarbeit und eine aktive Auseinandersetzung mit Fachbegriffen nehmen für den Fachunterricht wichtige Rollen ein, denn für die schriftliche und mündliche Kommunikation wird eine aktive Auseinandersetzung mit Fachbegriffen benötigt. Fachbegriffe sind für das Erreichen der angestrebten Politikkompetenz der Schüler*innen unentbehrlich. Sprachbildung ist somit nicht nur die Aufgabe des Deutschunterrichts, sondern spielt für jeden Fachunterricht eine Rolle. Anhand einer quantitativen Studie soll untersucht werden, ob durch eine sprachsensible Förderung der Fachsprache im Politikunterricht die Lernleistungen sowie die fachsprachlichen Kompetenzen der untersuchten Schüler*innen positiv beeinflusst werden.
Da die Forschungslage diesbezüglich noch große Lücken aufweist, soll dieses Forschungsdesiderat geschlossen werden, um basierend auf den Erkenntnissen Hilfestellung für die Entwicklung entsprechender Unterrichtsmaterialien sowie Fördermaterialien für den Politikunterricht zu geben.
Zweitbetreuung: Prof. Dr. Julian Roelle (Ruhr-Universität Bochum)

2) Frederic Kropp M.A.
Schule ohne/mit Rassismus – Schule ohne/mit Courage – Eine rassismuskritische Evaluation des Programms
Das Projekt Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage umfasst mittlerweile mehr als 3000 teilnehmende Schulen in ganz Deutschland. Mit dem Ziel, einen Rahmen zu bieten, um sich bereits in jungen Jahren aktiv gegen Rassismus an Schulen einzusetzen, verfolgt das Projekt eine bedeutende gesellschaftliche Aufgabe. Das zentrale Ziel der Dissertation ist es, zu untersuchen, ob sich die Teilnahme am Projekt SOR-SMC tatsächlich auf die rassismuskritische Sensibilisierung von Schüler*innen auswirkt. Auf Grundlage qualitativ-empirischer Befunde werden Handlungsempfehlungen erarbeiten, die dazu beitragen, das Konzept SOR-SMC zu modifizieren.

3) Nora Pösl M.A.
Alternativmedizin und Esoterik im Kontext von Verschwörungstheorien und rechten Ideologien
Ziel der Dissertation ist es, die Zusammenhänge und Verflechtungen von sogenannten alternativen Heilmethoden und Esoterik mit Verschwörungstheorien und rechten Ideologien zu analysieren. Im Fokus stehen Online- und Offline-Netzwerke im Feld der Alternativmedizin und Esoterik sowie damit verknüpfte verschwörungstheoretische, rechtsideologische Diskurse, mit besonderem Fokus auf Antisemitismus und Rassismus. Methodisch wird ein Mixed-Methods-Ansatz auf Basis der Digitalen Ethnographie genutzt: Durch quantitative Netzwerkanalysen auf Plattformen sozialer Medien werden relevante Akteur*innen, ihre Verbindungen und die Interaktionsstrukturen untersucht, um Diskursverläufe und Verknüpfungen abzubilden. Zudem werden qualitative Interviews sowie Inhaltsanalysen diverser Medieninhalte durchgeführt und Feldforschungen im Offline-Raum vorgenommen.
Zweitbetreuung: Prof. Dr. Katja Sabisch (Ruhr-Universität Bochum)

Zweitbetreuungen

1) Dennis Barasi M.A.
Das Verhandeln von Migration in der universitären Lehramtsausbildung der Migrationsgesellschaft
Das Dissertationsprojekt setzt sich mit der Fragestellung auseinander, in welcher Weise Migration innerhalb der universitären Lehramtsausbildung verhandelt und für die Wissens- und Reflexionsvoraussetzungen angehender Lehrer*innen produktiv gemacht wird. Um das vorliegende Forschungsinteresse beantworten zu können, wurden verschiedene universitäre Lehrveranstaltungen aus den Erziehungswissenschaften (mit den Schwerpunkten Rassismus und digitale Medien) und der Physikdidaktik im Zuge einer Teilnehmenden Beobachtung besucht. Im Rahmen dieser Beobachtung wurden schriftliche Protokolle angefertigt, die den Kern der erhobenen Daten bilden. Diese wurden mittels Forschungs-Gesprächen mit ausgewählten Student*innen angereichert, die aufgezeichnet und transkribiert wurden. Alle durchgeführten Datenerhebungen und -auswertungen finden im Sinne der Reflexiven Grounded Theory statt.
Erstbetreuung: Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu (Universität Bremen)

2) Mira Keßler M.A.
Die Bedeutsamkeit von Differenzerfahrungen in journalistischen Weiterbildungen als Teil der Medienentwicklungsarbeit
Journalistische Weiterbildungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Medienentwicklungsarbeit. Ihre Legitimation und Qualität werden jedoch unterschiedlich diskutiert. Die Gelder und Angebote kommen hauptsächlich aus dem globalen Norden wie den USA, Großbritannien und Europa. Die Empfänger befinden sich im globalen Süden, wie im Subsahara-Afrika und in Südasien. Dies rechtfertigt die Debatte über eine einseitige Direktionalität, die gleichberechtigte Zusammenarbeit und die Dominanz westlicher Ansätze. Hier fehlen Untersuchungen zum Einfluss von Differenzerfahrungen auf die Aushandlungsprozesse der Weiterbildungen. Im Hinblick auf ihre Legitimität und Qualität werden folgende Kernfragen untersucht: Wann können Differenzerfahrungen in journalistischen Weiterbildungen bedeutsam werden? Worauf basieren sie? Sind sie mit Kultur, lokalen Unterschieden oder Postkolonialismus verbunden?
Erstbetreuung: Prof. Dr. Barbara Thomaß (Ruhr-Universität Bochum)

3) Dipl.-Päd. Esther van Lück
Rassismus und Weißsein in der Hochschule. Eine intersektionale Analyse
Das Promotionsprojekt untersucht rassistische Herrschaftsverhältnisse in Universitäten in Deutschland. Hierbei findet Weißsein, als bislang wenig beachtete Analysekategorie innerhalb des Forschungsfeldes Hochschule, eine zentrale Berücksichtigung. Ausgehend von Interviews und Gruppendiskussionen mit Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen an ausgewählten Universitäten, werden die Konstruktion, die (De-)Thematisierung sowie die Auswirkungen von Weißsein innerhalb des Hochschulsystems analysiert. Hierbei werden auch intersektionale Verwobenheiten betrachtet. Den theoretischen und analytischen Rahmen der Rassismusanalyse bilden Arbeiten der Kritischen Weißseinsforschung und der Intersektionalitätsforschung mit Bezug auf postkoloniale Studien bzw. Schwarze Theoriebildung.
Erstbetreuung: Prof. Dr. Christiane Micus-Loos (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

4) Benedict Weskott M.A.
Queerfeministische Positionierungsstrategien im deutschsprachigen Hiphop
Die Beschaffenheit von sozialen Feldern, ihre Kodizes, Schemata sowie feldspezifischen Praktiken und Prinzipien wirken einerseits als Bindemittel und andererseits als Exklusionsmechanismus. Wie also machen sich Menschen ein Feld zu eigen, in dem sie nicht willkommen oder sogar ausgeschlossen sind? Diese Selbstermächtigungsprozesse untersucht Benedict Weskott anhand der Positionierungsstrategien queerfeministischer Rapper*innen im kulturellen Feld „Hiphop“. Gegenstand dieser Forschung mittels narrativer Interviews und Konstruktivistischer Grounded Theory sind Akteur*innen, deren geschlechtliche und sexuelle Identität sie in doppelter Hinsicht zu Außenseiter*innen in der Welt des Hiphops macht, die aber dennoch rappen und damit erfolgreich sind. Die zu untersuchende Frage lautet daher: Wie schaffen es diese Menschen, sich über gesellschaftliche oder institutionelle Grenzen hinwegzusetzen und sich ein Feld anzueignen, das sie per se exkludiert und delegitimiert?
Erstbetreuung: Prof. Dr. Jürgen Straub (Ruhr-Universität Bochum)

5) Ines Gottschalk M.A.
Fluchtort Gastfamilie: Eine mikrosoziologische und kulturpsychologische Untersuchung der Beziehungsgestaltung sowie Identitätsentwicklung unbegleiteter jugendlicher Flüchtlinge und ihrer Gasteltern
Unbegleitete minderjährige Geflüchtete werden nicht nur in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, sondern auch in Gastfamilien untergebracht. Damit verbindet sich die Vorstellung, dass Gasteltern und weitere Angehörige Problemlagen und Identitätszustände, die Unbegleiteten oft zugeschrieben werden, konstruktiv bearbeiten können und somit zu einer erfolgreichen, nachhaltigen Integration beitragen. Aus einer mikrosoziologischen und kulturpsychologischen Perspektive wird die Frage bearbeitet, wie sich die institutionelle Einbettung und normative Verhandlung des Beziehungsarrangements auf die Lebenspraxis und die Identitätsentwicklung aller Beteiligten auswirkt. Dazu werden biographisch-narrative Interviews (Schütze 1983) und ethnographische Beobachtungen erhoben, die mit der relationalen Hermeneutik als interpretatives Analyseverfahren ausgewertet werden.
Erstbetreuung: Prof. Dr. Jürgen Straub (Ruhr-Universität Bochum)

6) Rebecca Thrun M.A.
Veganismus als Zukunftsimperativ. Das avantgardistische Selbst in der Utopie einer veganen (Welt-)Gesellschaft. Eine kulturpsychologische Untersuchung
Der Veganismus in seiner ethisch-moralischen Ausprägung steht im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. In kulturpsychologischer Perspektive wird er als eine vernunftorientierte, mitunter rational begründete Subjektivierungsform untersucht. Wesentlich ist, dass vegane Überzeugungen für das ausgewählte Forschungsfeld nicht als optional, sondern als obligatorisch von ihren Anhänger*innen begriffen werden und diese sich für die Vorbereitung sowie Verbreitung des Veganismus in einer Gesellschaft einsetzen, die den Tierkonsum normalisiert. Neben der Analyse von veganen Selbsterzählungen, sind Bilder und ein Akt des Zeigens als möglicher Impuls transformativen Handelns Fokus der Untersuchung. Dabei geht es auch um die Frage, inwiefern (argumentative) Aspekte der Sorge und Verantwortung stellenweise mit negativer Emotionalität und einer ‚gefühlten‘ Bedrohung verwoben sein können.
Erstbetreuung: Prof. Dr. Jürgen Straub (Ruhr-Universität Bochum)

7) Julia Asmus M.A.
Einstellungen von Schüler*innen zum Kopftuch bei Lehrerinnen an berufsbildenen Schulen
Die Frage, ob es muslimischen Lehrerinnen gestattet sein sollte, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen, ist in der Öffentlichkeit ein vieldiskutiertes Thema. Der großen medialen Aufmerksamkeit steht jedoch eine kaum ausgeprägte empirische Forschung gegenüber. Das Dissertationsprojekt nimmt die Erfahrungen und Einstellungen von Jugendlichen an Berufsschulen in den Blick, die von Lehrkräften mit Kopftuch unterrichtet werden, ergänzt durch die Sichtweisen von Lehrkräften und Schüler*innen ohne diese Unterrichtserfahrung. Dabei werden qualitative Leitfaden-Interviews genutzt, um die Erfahrungen und Einstellungen der interviewten Personen in ihrer ganzen Bandbreite und Vielschichtigkeit zu erfassen. Ziel ist es, die unterschiedlichen Perspektiven durch Triangulation zu verknüpfen und durch Kodierung der transkribierten Interviews im Sinne der Grounded Theory eine Theorie über die Wirkung von Kopftüchern bei Lehrerinnen zu entwickeln.
Erstbetreuung: Prof. Dr. Uwe Flick (Freie Universität Berlin)

8) Bjarne Goldkuhle M.A.
Institution, Identität, Differenz. Eine kritische Analyse moderner Rassismuskritik und ihrer Voraussetzungen
Die vorliegende Dissertation befasst sich kritisch mit theoretischen Grundlagen und Voraussetzungen der modernen Rassismuskritik. Immer wieder werden von Vertreter*innen der Rassismuskritik „Paradoxien“ oder „Widersprüche“ konstatiert, die die zugrundeliegende Theorie dennoch verwendet. Dabei geht es zumeist um eine Reproduktion rassifizierter Kollektive bei der Beschreibung rassistischer Phänomene. Gängigen rassismuskritischen Erklärungen, diese Schwierigkeiten seien in der Sache (Rassismus) selbst oder aber gar in Sprache als solcher begründet, soll in der Arbeit nachgegangen werden. Neben den v.a. auf Pädagogik und Bildung ausgerichteten modernen Ansätzen der Rassismuskritik erstreckt sich die Analyse auch auf theoretische Konzeptionen, die primär aus den Cultural bzw. Postcolonial Studies stammen.
Erstbetreuung: Prof. Dr. Jürgen Straub (Ruhr-Universität Bochum)